Nachdem Anstei so nett war, in #darl diesen Artikel von Spiegel-Online zu posten, bin ich auf was Kurioses gestoßen:
“[… ] Zudem sind vier Schüler - drei Jungen und ein Mädchen - zwischen zwölf und 16 Jahren angeschossen worden. Sie trugen Schusswunden in Brust, Bauch, Arm, Knie und Hand davon. Vier Schüler, die sich vor dem Amokläufer versteckt hatten, konnten die Einsatzkräfte befreien. […]”
Soso. Die Schüler haben also die Einsatzkräfte befreit. Lieber Autor, wolltest Du vielleicht eher Folgendes schreiben?
“[…] Vier Schüler, die sich vor dem Amokläufer versteckt hatten, konnten sich befreien und daraufhin die Einsatzkräfte alarmieren. […]”
Somit finde ich mich in meiner vormals eher diffusen Skepsis gegenüber Spiegel online nun endgültig bestätigt und verweise ganz unverbindlich auf das Online-Angebot der ZEIT
Zumindest scheint es, als wäre der betroffenen Emsdettener Schule ein deutlich größeres Desaster erspart geblieben. Vor allem da “lediglich” einer der fünf durch Schüsse Verletzten in Lebensgefahr schwebte. Die nicht nur in Computerspielen geübte Fähigkeit des Täters, bewegliche Ziele zu treffen, hätte meiner Meinung nach deutlich mehr Todesopfer fordern können. Zusammengenommen mit dem Gesamtumfang seiner Bewaffnung und der Fähigkeit gut ausgebildete Polizeibeamte durch Rauchbomben vorübergehend aus dem Verkehr zu ziehen, scheint dieser -horibilis dictu- glimpfliche Ausgang nicht nur durch Zufall erklärbar.
Trotzdem ist die Gefahr keinesfalls vorbei. Wie auch in vorherigen, ähnlichen Fällen, tun die Medien bereits jetzt wieder das Ihre, um die Öffentlichkeit zu vorschnellen Schlüssen zu verleiten:
Der Täter war Counterstrike-Spieler, hat angeblich sogar seine Schule als Map nachgebaut.
War Besitzer von “Gewaltvideos” (sprich: B-Qualität Horrorfilmchen)
Hatte gegen Ende eine Vorliebe für “schwarze Kleidung und Springerstiefel”
Ja? Und? Inwiefern ist das Alles im Augenblick der Suche nach dem “Warum” sachdienlich? Das dient allenfalls dazu, Schlupflöcher für etwaige “Schuldige” bei der Suche nach der Verantwortung bereitzustellen. Die Schuld allein beim Täter abzuladen scheint inbesonders, da er sich bereits selber gerichtet hat, etwas platt. In diesem Sinne platt auch, unerwähnt zu lassen, dass der Täter scheinbar ein intelligenter junger Zeitgenosse war. Und genau so platt wäre es nun, die Schuld bei den gewaltverherrlichenden Computerspielen, den bösen amerikanischen Gewaltfilmen, schwarztragenden Jugendsubkulturen und mit Todesmotiven kokettierenden Musikrichtungen zu suchen.
Sinnvoller scheint es, wenn sich alle der Betroffenen gemeinsam darüber auseinandersetzen würden, wo in diesem Fall -und in allen weiteren- die Verantwortung und ihre Vernachlässigung lag und liegt. Betroffen sind dabei letztlich alle, deren Wunsch es bis heute ist, in einer Solidargemeinschaft zu leben, die sich nicht nur noch ausschließlich um die monetären Belange ihrer Mitglieder sorgt. Hier heißt das: Welche Rolle spielten Eltern, Geschwister, Lehrer, Mitschüler, ehemalige Freunde, Freunde, Mitspieler, Forennutzer und die noch weiter außen Stehenden wie “die Gesellschaft” und “die Medien”?
[Edit] Der Schwachsinn nimmt kein Ende:
tagesschau.de: Was kann man Ihrer Ansicht nach tun, um solche Taten zu verhindern?
Gallwitz: Einige Bundesländer, unter anderem Bayern, haben als Konsequenz aus dem Amoklauf von Erfurt Sicherheitsanalysen an Schulen und öffentlichen Gebäuden erstellt. Das finde ich sehr wichtig, weil die Polizei dadurch im Ernstfall schon im vornherein die Eckdaten abrufbereit hat.
Zweifellos ein beeindruckendes Beispiel für Verschwendung von Zeit, Energie und unseren hochheiligen Steuergeldern zum Zwecke der Symptombekämpfung.