In|grimm, der; -[e]s (geh. veraltet): Zorn.
Vor einer Woche war es auch in Münster schließlich soweit: Die WWU erhebt mit Beginn des kommenden Wintersemesters allgemeine Studiengebühren in Höhe von 275€ pro Semester. Obwohl der Senatsentscheid mit knapper Mehrheit fiel und 275€ im bundesweiten Vergleich recht wenig sind, bin ich trotzdem stinkwütend.
Warum ich so wütend bin? Das will ich gerne erklären:
Studiengebühren sind bildlich gesprochen die Spitze des Eisberges für mich. Zwar habe ich einen Nebenjob, der durch die Studiengebühren durchschnittlich „nur“ zwei Stunden in der Woche mehr beanspruchen wird. Doch widme ich diesem Nebenjob bereits jetzt wöchentlich zwischen 10 und 20 Stunden um über die Runden zu kommen. Dass ich gleichzeitig bei geradlinigem „Durchstudieren“ nach meiner Bachelorstudienordnung bereits „Vollzeit“ beschäftigt wäre, ist ein eigenes Thema…
Hinzu kommt die bestenfalls verwirrende, schlimmstensfalls miserable Organisation der neuen Bachelorstudiengänge. (Die allein wäre einen eigenen Artikel wert.) Zugegeben: Sich zu einem Studium zu entschließen, heißt gleichzeitig sich sehr selbstständig um die Organisation der eigenen Ausbildung zu bemühen, also Eigenverantwortung zu übernehmen. Wußte ich vorher, wollte ich so haben, beklage mich also auch nicht drüber. Aber muß aus dieser Eigenverantwortung folgen, dass man/frau beim Besuch einer Hochschule von Staat und Gesellschaft zunehmend allein gelassen wird? Genau dieses Gefühl beschleicht mich zumindest immer mehr.
Wenn ich daraufhin noch lesen muß, dass innerhalb Deutschlands 1,2 Millionen Arbeitsplätze nicht besetzt werden können, weil es den potenziellen freien Arbeitsnehmern an Qualifikation fehlt, bin ich endgültig verwirrt. Ich bemühe mich doch, mich zum hochqualifizierten Teilnehmer am Arbeitsmarkt auszubilden. Ich bin doch auch willens und fähig, meinen Teil zur Gesellschaft beizutragen. Warum werden mir dann trotzdem Studiengebühren aufoktroyiert?
Ich würde gerne in klaren, eindeutigen Worten hören, daß dieser Staat mich eines Hochschulbesuches nicht für würdig hält aufgrund meiner Ideologie, meiner Herkunft und dem Einkommen meiner Eltern nach. Oder aber mir klar macht, daß ich auf jeden Fall weiter studieren und letzten Endes nicht nur mich, sondern auch dieses Land nach vorne bringen soll. Natürlich sollte es dann nicht nur bei diesen Worten bleiben, viel mehr als die Vorstufe entsprechenden politischen Handelns können sie ja schwerlich sein. Sie könnten aber wenigstens meine Verwirrung lindern. So wie es ist, bin ich aber verwirrt und verunsichert. Je nach Gemüt reagieren Menschen darauf langfristig auf zweierlei Arten: Manche resignieren, andere werden wütend.
Ich gehöre zu Letzteren.
April 21st, 2007 at 12:25 am
I hear you, man.